Briefe von Franz Huth, der im 19. Jahrhundert von Pößneck, Thüringen, über Warschau, St. Petersburg nach Süd-Russland ausgewandert ist.

Abgeschrieben wurden die Briefe aus dem vorigen Jahrhundert von Eggert und Elisabeth Seeliger, geb. Schmidt. Elisabeth hat aus den allein zur Verfügung stehenden Photokopien die Briefe nach besten Kräften entziffert, Eggert hat sie getippt. Manche Textpassagen waren so stark verblasst, dass sie nicht mehr entzifferbar waren. Diese Stellen sind kenntlich gemacht. Die Schreibweise entspricht den Originalen, lediglich die Zeichensetzung wurde dort den heutigen Regeln angepasst, wo anderenfalls die Verstehbarkeit der Sätze beeinträchtigt gewesen wäre.
Köln, im Frühjahr 1994

Vorwort Taurien e.V.

Die Briefe und den oben stehenden Text erhielt unser Verein von Gerhard Walter, dafür bedanken wir uns an dieser Stelle noch einmal. Die Orthographie wurde von uns an die neue Rechtschreibung angepasst.

Auswanderung der deutschen Kolonisten aus Russland und Ukraine bis 1931

 

Als Beginn der zunehmenden Abwanderung der deutschstämmigen Kolonisten aus Ukraine und Russland kann man die Jahre 1870-1874 betrachten, als unter dem Zar Alexander II die Russifizierungspolitik und allgemeine Wehrpflicht eingeführt und die Kolonistenprivilegien und Selbstverwaltung der deutschen Kolonien zunehmend beschnitten wurden.

Die Mennoniten und andere Glaubensgemeinschaften, bei denen das Militärdienst mit ihren Glaubensgrundsätzen nicht vereinbar war, begannen nach Nord- und Südamerika auszuwandern. Und auch so manche deutsche Katholiken und Lutheraner sahen aufgrund der antideutschen Propaganda und damit verbundenen Gesetzesänderungen im Russischen Imperium keine Zukunft mehr. Auch nach Oktoberrevolution 1917 und unter der Sowjetischer Regierung ging die Abwanderung weiter, da der Friedensvertrag von Brest-Litowsk auch Rückkehr der deutschen Staatsangehörigen und ihrer Familien ins Reich garantierten. Der Bürgerkrieg 1917-1919 und die Hungersnöte 1922 und 1924 trugen der Abwanderung bei. Den Höhepunkt der Abwanderung stellen die Jahre 1929-1930, da 1928 der neue 5-Jahresplan angeordnet wurde und Enteignung und «Entkulakisierung» reicher und mittelständischer Bauern und Eigentümer begonnen hat.